Invisible Web mal anders…
August 23rd, 2007 by winniWas ich nun beschreibe ist zwar nichts neues, aber es ist das erste mal, dass ich bewusst davon betroffen war: staatlich angeordnetes Filtering von Internetinhalten. Ich wollte mich über die Inhalte der Teheraner Holocaust Konferenz, deren Teilnehmer usw informieren, ich hatte kurz angedacht etwas über Holocaustleugnung hier im Weblog zu schreiben und wollte recherchieren. Nachdem ich bei Wikipedia keinen expliziten Artikel zu dem Thema gefunden hatte hab ich einfach mal Google angeworfen.
Was kam waren erstmal lauter Zeitungsartikel mit denen ich wirklich wenig anfangen konnte. Dann, ganz unten auf der ersten Seite schlägt mir eine kleine Notiz entgegen:

Also mal auf den Link geklickt:
A URL that otherwise would have appeared in response to your search, was not displayed because that URL was reported as illegal by a German
regulatory body.Ihre Suche hätte in den Suchergebnissen einen Treffer generiert, den wir Ihnen nicht anzeigen, da uns von einer zuständigen Stelle in Deutschland mitgeteilt wurde, dass die entsprechende URL unrechtmäßig
ist.
Auf der Seite kann man dann die Suchergebnisse von Google.com und Google.de vergleichen. Das ist nett und führt einem die Manipulation vor Augen. Meiner Meinung nach ist das ganz perfide Zensur. Die Ergebnisse, die nicht angezeigt wurden beinhalteten zwar in der Tat wirklich miese, menschenverachtende Ideologie, aber eine Zensur ist meiner Auffassung nach trotzdem nicht angebracht. Wenn deutsche Behörden der Auffassung sind, dass es sich um rechtswidrige Inhalte handelt, dann sollen sie es auch strafrechtlich verfolgen und schauen, dass der Mist ausm Netz kommt.
Viel wichtiger, als Zeit und Briefpapier für irgendwelche Bitten an Google zu verschwenden, Inhalte aus dem Suchindex zu nehmen, wäre meiner Auffassung nach den Leuten mal ein anständiges Geschichtsverständnis zu vermitteln und zu versuchen ein Mindestmaß an Medienkompetenz zu erreichen. Das Internet mit Zensur zu begegnen ist wie der Versuch Pisse ausm Wasser zu fischen. Die Leute müssen lernen zu unterscheiden zwischen verlässlichen Quellen und unzuverlässlischen, zwischen guten und schlechten Bloggern, müssen lernen, dass im Internet nicht alles stimmt und Dinge zu hinterfragen. Anderenfalls kann man kein Gespür für diese enorme Sammlung an Medien im Netz entwickeln. Am Besten fangen wir mit dem Crashkurs für die Leute an, die Zensur anordnen….




September 4th, 2007 at 1:35 am
Naja. Nette Idee. Du hast schon Recht. Bauen wir doch einfach ein kleines Erziehungslager und bringen den Leuten bei, wie die Wahrheit aussieht. Schau dir doch mal an, wie viele Leute freiwillig Bildzeitung lesen und dann vergiss deinen Glauben an die Medienkompetenz der breiten Masse. Die Sache ist nicht so einfach. Es gibt vielleicht einfach keine Lösung.
September 4th, 2007 at 10:41 pm
Mir gehts nicht um Erziehungslager, da verstehst du mich grundlegend falsch. Ich glaube auch nicht, dass das ein Prozess ist, den man binnen kürzester Zeit über die Bühne bringen könnte. Aber in unserer Gesellschaft fehlt die Medienkompetenz wirklich vollkommen. Dem mit Zensur zu begegnen ist für mich vollkommen inakzeptabel.
Das gewählte Beispiel mag vielleicht bescheuert sein, immerhin gibts wenig, was ich mehr hasse wie die braune Brut. Trotzdem handelt es sich hier um Zensur, um einen Staat, der meint einem privaten Anbieter vorzuschreiben, was er anzuzeigen hat und was nicht. Das ist für mich inakzeptabel. Wenn der Staat meint, dass diese Seiten schädlich sind, dann sollte er nicht die Keule der Zensur auspacken und sich dann entspannt zurück lehnen.
Was an Präventionsarbeit im Bereich des Rechtsextremismus in DE passiert ist erbärmlich. Es ist auch erbärmlich mit welch wenig Medienkompetenz Leute von der Schule kommen. Das sind die Punkte an denen gearbeitet werden muss. Zensur ist die Bekämpfung eines Symtoms, um die Ursache kümmert sich so gut wie niemand.
Thats my Point.
September 5th, 2007 at 11:23 am
der Satz ab “Bauen wir” sollte eigentlich in (ironie) und (/ironie)-Tags stehen (in spitzen statt runden Klammern. Hat Wordpress wohl rausgefiltert.
Deinen Punkt hab ich schon verstanden. Allerdings bin ich in der Hinsicht nicht sehr optimistisch. Du weißt, ich bin Idealist und ich würde einiges dafür tun, Menschen das Zeitungslesen beizubringen. Aber wie? Du willst das in der Schule machen? Dann müsste man erst mal erreichen, dass Lehrer, Schüler, Eltern, Politiker und andere relevante Kräfte die Schule ernstnehmen. Dass die Schüler erwarten, dort etwas zu lernen. Dass das Ziel der Schule nicht nur Leute, die Schrauben drehen, sondern Leute sind, die Verstehen und Denken können. Dass Eltern ihren Kindern nicht vermitteln, es gehe nur um die Note.
Kurz: Du willst eine andere Gesellschaft, sprichst aber nur davon, ein Symptom zu bekämpfen. Dass Zensur verboten gehört, ist klar. Aber wenn man stattdessen der ganzen Bevölkerung irgendwas beibringen will, die Menschen nach irgendeinem Ideal formen will, ist man schnell in einer Art Erziehungslager. Das war mein Punkt. Aber ich denke, ich hab übertrieben. Irgendwie muss man ja in die Welt hineinwirken.
September 6th, 2010 at 4:15 pm
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