Congressbericht
Dezember 29th, 2006 by winniDie Nachtschicht geht bald zu Ende, da find ich doch noch Zeit ein wenig vom Congress zu berichten.
Eigentlich wollte ich viel mehr schreiben, früher schreiben, regelmäßig schreiben. Aber irgendwie hatte ich dazu bisher hier auf dem Congress nicht die Gelegenheit. Viel zu viel gutes Programm.
Tag -1
Wir sind schon einen Tag vor Congressbeginn nach Berlin gefahren, hatten spitzen Straßenverhältnisse und keinerlei Probleme. Abends sind wir dann gleich ins Congress Center Karten kaufen (halbe Stunde anstehen), Netz testen, wieder an die Location gewöhnen.
Tag 0 - Who can you trust
Erster Tag, viel Spass. Angefangen mit einer Keynote von John Perry Barlow zum Thema des Congresses ging es für mich weiter mit dem neuen gesetzlichen Verbot des Hackings, einem wirklich Interessanten Vortrag. Interessante Fragestellung: Was machen wir Hacker, wenn uns die für Sicherheitsüberprüfungen benötigten Programme gesetzlich Verboten wird.
Marco Gerckes Vortrag im Anschluss “Know Your Citizens State Authorities’ Access to Sensitive Information” gab wiedermal einen guten Überblick über staatliche Überwachungsmechanismen, Gefahren und mögliche Zukünftige Szenarien. Interessant für mich war, dass Marco der Auffassung war, dass “data retention” mittlerweile nur noch ein überschätzer Nebenkriegsschauplatz sei und dass auf uns noch viel schlimmere Dinge zukommen. Der Kampf auf diesem Feld sei bereits verloren.
Dannach hab ich mir eine kleine Pause gegönnt und bin erst wieder zum Vortrag “Privacy, Identity, and Anonymity in Web 2.0″ von Udo Neitzel, Ralf Bendrath und Jan Schallaböck. Interessant an diesem Vortrag war vor allem die wissenschaftliche Betrachtung von Identität und Reputation. In diesem Vortrag wurde mir wieder einmal richtig gut vor Augen geführt, was der Unterschied zwischen Web 1.0 und Web 2.0 ist. Dem darstellenden Web 1.0 lagen wirklich von Grund auf andere Prinzipien zu Grunde wie dem vernetzenden Web 2.0. Sauber herausgearbeitet, schön präsentiert.
Um 17:15 Uhr gab es dann auch schon eines der Highlights des Tages: Steinis Vortrag zum Thema “Drones” Der Vortrag war einfach klasse. Zunächst dachte ich mir der Vortrag wäre überflüssig, Drohnen hatten mich bis dato nicht wirklich interessiert. Der Vortrag hat aber meine Begeisterung geweckt. Nicht nur die Live-Vorführung einer Drohne im Saal 1 des BCC hat dazu beigetragen sondern auch die Diskussionen darüber in wie weit die Entwicklung unser Zukünftiges Leben verändern wird. Interessante Szenarien wurden entworfen von Demonstrationen auf denen sowohl Polizei als auch Demonstranten mit Drohnen arbeiten und viel Freude breitete auch die Vorstellung, dass Promis ihre Villa mit 5 Drohnen gegen 20 Flieger von “Journalisten” verteidigen.
Starbugs Vortrag “Hacking fingerprint recognition systems” brachte für mich in einigen Teilen nichts neues (das hatte ich auch nicht erwartet), die fälschungsmethoden sind seit 2 Jahren per Video zu betrachten. Interessant waren trotzdem die Methoden die er vorgestellt hat und die Stellen an denen Momentan noch mit reverse engineering gearbeitet wird. Auch hier bleibt es spannend.
“We don’t trust voting computers”, der Vortrag von Rop Gonggrijp gab einen wunderbaren Überblick auf dem Bereich der uns so sehr verhassten Wahlcomputer und den Erfolgen, die im vergangenen Jahr in Holland auf diesem Gebiet erreicht wurden. Definitiv ein weiteres Highlight.
“Digitale Bildforensik” war dann der erste Vortrag, der meine Fähigkeiten begann zu übersteigen. Interessant war das Thema allerdings und in den Teilen, die meine Mathekenntnisse nicht überstiegen wars auch wirklich sehr informativ.
Das audiovisuelle Live-Feature “Konrad Zuse - Der rechnende Raum” rundete den Abend ab. Schön wars.
Tag 1
Zunächst mal sind wir zu spät gekommen. Dafür bleiben wir um so länger, heute ist unsere Nacht zum durchmachen geplant. Die ersten beiden Vorträge haben wir also verpasst, was nicht so schlimm war. Ich kanns in den Fällen wohl aushalten und auf die Mitschnitte warten.
“Tor in China” von Roger Dingledine hat uns einige Denkanstöße für Zankapfel gegeben, mal schauen, vielleicht kommt für uns ein Tor-Node ja doch in Frage. We’ll see. Ohne Beschränkungen wird das aber wohl eher nix. Auf jeden Fall ein klasse Vortrag, auch wenn ich noch zu wenig Koffeein im Blut hatte.
Anschließend kam fh mit seinem Vortrag “Jabber-Showcase”, welcher wirklich gut zeigte, wie abartig viele Möglichkeiten man bei Jabber hat. Das ist wirklich krass was dieses Protokoll alles kann. Mal schauen ob ich auch mal Zeit dafür habe mich um unseren Jabberserver zu kümmern und mir das mal genauer anzuschauen.
“RFID hacking” war dann schon wieder ein recht technischer Vortrag, der in den Teilen in denen ich was verstanden habe auch richtig cool war. Da wurde mir mal wieder vor Augen geführt, was Hacking ist: kreatives Lösen von Problemen. Sich eine Karte von der Uni anzuschauen, die zum Türöffnen gedacht ist und das Signal des RFIDs akustisch nachzubilden und dann mit einem iPod die Tür zu öffnen verdient dieses Prädikat wirklich. Respekt.
Dann kam für mich der Hammer des Tages. Der Vortrag ” Warum wir uns so gerne überwachen lassen… - Erhellendes aus Philosophie und Soziologie zur Klärung des Phänomens steigender Kontrolle und Überwachung” von Christine Ketzer hat sich für mich wirklich gelohnt. Ich beschäftige mich gerade Unitechnisch mit Macht und Herrschaft, einem Thema bei dem man an dem auch im Vortrag vorgebrachten Foucault nicht vorbeikommt. Nach dem Vortrag hatte ich plötzlich Ideen für meine Hausarbeit. Das hat wirklich Spass bereitet.
Nach der nächsten Pause habe ich mich in einen Vortrag von starbug und Constanze gehockt und mir ein Update reingezogen zu einem Thema, dass mich letztes Jahr schon stark interessiert hat: “Elektronische Reisedokumente - Neue Entwicklungen beim ePass”
Wiedermal ein guter Vortrag von den beiden.
In “Überwachen und Strafen in Entenhausen” habe ich mich dann geflüchtet weil ich irgendwie ein Koffein- oder Zucker-Zwischentief hatte, da war ich doch wieder recht schnell am Lachen und ganz auf der Höhe. Irgendwie wars spassig. Im Anschluss kam dann noch die “Kritik an den Illuminaten zwischen 1787 und 2006″ ein weiterer Spassfaktor am gestrigen abend.
Genauso gut wie letztes Jahr war “Biometrics in Science Fiction”, das letzte Event des Abends. Richtig, richtig cool. Leider bringt da Mitschnitt anschauen nicht so sonderlich viel, weil man ja nix erkennt. Keine Kinoatmosphere, kein Witz der wirklich nochmal funktioniert. Schade eigentlich.
Dannach begann die lange Nacht. Bloggen, ein Datenschutz referat schreiben und mit den anderen über Zankapfels Zukunft (neue Pläne) labern. Einfach schön. Jetzt ists viertel nach sieben, in ein paar Stunden gehts wieder los. 18-19 Stunden werdens wohl noch sein bis ich wieder ne Mütze Schlaf bekomme, also brauch ich weiterhin viel (ganz viel) Koffein. Und das hol ich mir jetzt.
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