Resist! Ein Film für den heutigen Tag

Juli 12th, 2006 by winni

Oh man! Das hat mich gerade wirklich umgehauen. Ich habe mir den Film “Resist! - Ein Traum vom Leben mit dem Living Theatre” angeschaut. Und das an dem Tag, an dem ein neuer Krieg im Nahen Osten droht und an dem die Israelische Armee in den Südlibanon eingerückt ist.

Das Living Theatre war mir bis heute Abend kein Begriff. Dann kam der Vorschlag von meiner Freundin ins Kino zu gehen, aber der Film, den sie sehen wollte kam nicht. Also hab ich mir das Programm nochmal angeschaut. Dann stand da “Resist!” ich denk mir nichts böses, klicks mal an und lese von einem anarcho-pazifistischen Theaterprojekt, dass seit über 50 Jahren für seine Ideale Theaterprojekte initiiert. Wow.

Also, flux meine Freundin überredet und ab ins Kino. Oft hört man das nicht von mir: der Film war jeden Cent wert. Normalerweise laufe ich aus dem Kino und frage mich ob ich mir das nicht lieber hätte sparen sollen, aber heute war das anders, der Film hat mich beeidruckt, bewegt und mich zum nachdenken angeregt.

In dem Film wird von den Aktionen des Living Theatres berichtet, das weltweit auftrit. Da wird berichtet von Straßentheater in New York und ein Mitglied des Theaters führt aus, dass er Bush einen Brief geschrieben hat, in dem er sein Unverständnis über die Aussage, dass Muslime böse sind (was sie wohl laut Bush sind) ausdrückt. Er betrachtet dabei die andere Seite. Er weist darauf hin, dass auch in der Arabischen Welt das böse auf der Welt gesehen wird. Eben in Amerika. So zeigt er, dass es Unsinn ist, mit Gewalt auf Gewalt, mit Hass auf Hass etc zu reagieren.

Andere Projekte waren aber nicht weniger beeidruckend. Die Truppe wurde während einer Performance in Brasilien während der Militärdikatur inhaftiert und landeten in einem Gefängnis in dem Folter wohl zur Tagesordnung gehörte. Eben diese Erfahrung wurde von einer der Gründerinnen des Living Theatres Judith Malina, einer Jüdin, die mit ihren Eltern vor den Nazis in die USA flüchtete vor wenigen Jahren im Südlibanon aufgearbeitet. Zunächst ist es eine wirklich große Leistung und es erfordert viel Mut, als Jüdin im Südlibanon ein Theaterprojekt zu machen. Das dann aber in einem ehemaligen israelischen Gefängins, in dem alltäglich gefoltert wurde zu machen und als Kernthema Pazifismus zu haben ist wirklich stark! Das Living Theatre kam aber nicht mit der Idee in den Libanon ein festes Stück zu machen, sondern mit der Idee, mit jungen Libanesen die eben die Bombardierung von Beirut noch miterlebt haben ein Stück gemeinsam auszuarbeiten. Dabei kam es durchaus zu schwierigen Situationen. Es wurde deutlich, dass der Hass recht tief sitzt. Einige der Teilnehmer des Projekts stiegen noch vor der Aufführung aus, da sie mit dem absoluten Pazifismus der Truppe nicht zurecht kamen. Beeindruckend war aber eben, dass sie sich der Diskussion darüber gestellt haben.
Die Performance fand dann wie bereits erwähnt in einem ehemaligen Foltergefängnis statt. Dieses wird heute (wurde eventuell bis _heute_, 12.7.06) von der Hisbolla zur Propaganda genutzt und sie spielten trotzdem. Eine der Teilnehmerinnen erzählte von ihrer Kindheit und davon, dass sie eben Krieg im Libanon schon miterlebt habe und dass es wieder Krieg geben werde. Wirklich beeindruckt hat mich, dass ausgerechnet heute, wenn ich mir den Film anschaue dieser angesprochene Krieg ausbricht. Ist zwar Zufall, aber beeindrucken ists trotzdem.

Vom Living Theatre gibts noch vieles zu erzählen. Die waren unter anderem auch bei den Protesten in Genua dabei, auch davon wird im Film berichtet. Besonders beeidruckend ist auch, dass die Truppe sich in (Nord?)Italien, in einem Dorf ein Haus gekauft hat, wo sie nun eine permanente Residenz hat. Das Dorf liegt in einer Schlucht, die im 2. Weltkrieg erfolgreich von Partisanen verteidigt wurde. Eben diese Partisanen, die heute noch leben haben tiefstes Verständnis für diese Truppe und bieten ihr Schutz. Die jungen wären alle froh, wenn diese Anarchos, diese Chaoten weg wären. Die alten wollen sie halten.

Sehr beeidruckendes Projekt. Da bekommt man Lust zum mitmachen, Lust zum Theaterspielen. Und all das auch, wenn einige Szenen im Film doch recht bizarr wirkten. Schaut ihn euch unbedingt an. Und wenn den Film irgendwer irgendwo findet, sagt mir, wo ich ihn herbekomme.

Das Living Theatre in der Wikipedia: Deutsch; Englisch

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